In Hohenschönhausen-Nord sind Migranten mit vietnamesischer Herkunft, nach den Spätaussiedlern, die zweitgrößte Gruppe. Die Beratungsstellen im Kiez sind mehr und mehr mit dem Nachteil konfrontiert, die „kulturelle Lücke“ zu dieser Bewohnergruppe nicht überbrücken zu können.
Die spezifischen Probleme der vietnamesischen Familien sind vielfältig: viele Familen lebten lange Zeit getrennt und wurden erst jüngst wieder vereint. Hier stellen sich oft Eheprobleme oder andere Konflikte ein. Durch mangelnde Deutschkenntnisse sind die Berufchancen oft gering, genauso wie die Kenntnisse über das soziale System. Der Kontakt zu Schulen und Kitas findet wegen der Sprachbarrieren nicht in ausreichendem Maße statt. Arbeitende vietnamesische Migranten haben zum Teil zu wenig Zeit für ihre Kinder. Sie forden von ihnen eine sehr gute schulische Leistung, was viel Kinder überfordert. Junge schwangere Frauen haben neben der Unwissenheit über Schwangerschaft und Babypflege zudem das Sprachproblem oder wissen nicht, wo sie sich Hilfe holen können. Konflikte entstehen auch oft zwischen Eltern und Kindern aufgrund unterschiedlicher Intergrationsgrade.
Der Projektträger, ein vietnamesischer Selbsthilfeverein namens „Humanität und traditionelle vietnamesischer Kultur und Sport e.V.“ aus dem Umfeld des stadtweit bekannten Dong-Xuan-Centers in Lichtenberg hat auf Initiative des Kiezmanagements und des Stadtteilzentrums nun eine Beratungsstelle im Bürgerhaus eröffnent und ist aber auch mobil im Kiez unterwegs und kann z.B. an Schulen oder Kitas gemeinsam mit den dortigen Leitungen Beratungen anbieten; die Finanzierung findet über Quartiersentwicklungsmittel statt.
Das Projekt soll dabei nicht als separate Stelle agieren, sondern Kontakte herstellen, um gemeinsam mit den vorhandenen „deutschen“ Beratungsangeboten Lösungsansätze zu geben. Die Vernetzung mit anderen Einrichtungen ist daher Teil des Projekts. Ziel für 2011 ist es, die Hemmschwelle für vietnamesische Bewohner zu senken, die Angebote des Stadtteils mitzunutzen und gemeinsam zu entwickeln, denn Integration gelingt am besten vor Ort.